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Meine Freundin hat mir Geld geliehen. Dann wollte sie es auf eine Art zurück, die mich erniedrigte

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Zwei Freundinnen, eine wirkt traurig wegen Geldproblemen

Lange habe ich überlegt, ob ich diese Geschichte überhaupt erzählen soll. Mein Name ist Petra, ich bin 39 Jahre alt und vor einem Jahr ist bei uns zu Hause alles auf einmal zusammengebrochen. Mein Mann hatte einen Unfall, war mehrere Monate krankgeschrieben, dazu kam eine hohe Nachzahlung für Energie und unsere Waschmaschine ist kaputt gegangen. Es war einfach eine Zeit, in der man nicht mehr weiß, wie man alles bezahlen soll. Damals hat mir meine langjährige Freundin ihre Hilfe angeboten, aber ich habe schnell gemerkt, dass dieser Kredit einen hohen Preis hatte.

Ein Darlehen aus Mitleid und der große Fehler einer mündlichen Abmachung

Ich war nie jemand, der um Hilfe bittet. Eher war ich diejenige, die alles irgendwie durchsteht. Aber wir mussten schnell die Nachzahlung begleichen und wenigstens eine gebrauchte Waschmaschine kaufen. Ich habe das damals bei einem Kaffee meiner Freundin Lenka erzählt, mit der ich fast fünfzehn Jahre befreundet bin. Sie hat mir von sich aus angeboten, mir zwanzigtausend Kronen zu leihen. Ich wollte das eigentlich nicht, aber sie hat darauf bestanden und meinte, dafür seien Freundinnen schließlich da.

Heute weiß ich, dass es ein riesiger Fehler war, die Vereinbarung nur mündlich zu treffen. Wir haben abgemacht, dass ich ihr monatlich zweitausend Kronen überweise, sobald mein Mann wieder arbeiten geht. Ich habe die Raten bezahlt. Immer wenn ich mich verspätet habe oder weniger schicken konnte, habe ich ihr sofort geschrieben und mich entschuldigt. Sie meinte, das sei kein Problem. Zumindest habe ich das die ganze Zeit geglaubt.

Sticheleien und das ständige Gefühl von Schuld

Nach und nach hat sich ihr Verhalten aber verändert. Zuerst waren es nur Kleinigkeiten. Wenn wir im Café saßen und ich mir einen Kaffee bestellt habe, hat sie spöttisch gesagt: „Hauptsache, für einen Latte hast du Geld.“ Sie hat es als Scherz abgetan, aber mir ist der Kaffee im Mund bitter geworden. Ein anderes Mal habe ich ein Foto von einem ganz normalen Ausflug mit dem Zug und einem Eis auf Social Media gepostet. Lenka hat darunter geschrieben: „Manche haben es gut.“

Ich habe angefangen, Angst zu haben, mir irgendetwas zu kaufen oder irgendwohin zu gehen, damit sie nicht denkt, ich würde ihr Geld verprassen. Am schlimmsten war aber, dass ich mich vor ihr wie ein kleines Kind gefühlt habe, das jede ausgegebene Krone rechtfertigen muss.

Quelle: istock.com

Öffentliche Demütigung vor anderen und bittere Tränen

Der Wendepunkt kam auf der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Bekannten. Wir saßen zu zehnt im Garten. Eine Freundin hat mich gefragt, woher ich die neue Bluse habe. Bevor ich antworten konnte, dass sie im Ausverkauf nur zweihundert Kronen gekostet hat, hat Lenka laut gelacht:

„Siehst du, für Klamotten ist Geld da, aber die Schulden werden langsam zurückgezahlt.“

Alle waren plötzlich still. Ich habe gespürt, wie mein Gesicht brennt. Einige Frauen haben den Blick gesenkt, eine hat nervös gelacht. Ich habe Lenka leise gesagt, dass sie das nicht vor allen hätte sagen müssen. Sie hat nur mit den Schultern gezuckt und gemeint, sie sage nur die Wahrheit. Ja, ich habe ihr Geld geschuldet. Aber ich bin nie weggelaufen, ich habe nur nicht so schnell zurückgezahlt, wie sie es sich vielleicht vorgestellt hat. Nach einer Weile habe ich mich entschuldigt und bin nach Hause gegangen, wo ich im Bad völlig zusammengebrochen bin.

Wir haben alles verkauft, nur um die Schulden loszuwerden

Mein Mann war richtig wütend. Wir haben uns sofort an die Finanzen gesetzt, er hat altes Werkzeug verkauft, ich habe zusätzliche Schichten übernommen und meine Mutter hat uns mit Einkäufen geholfen. Innerhalb von drei Wochen habe ich Lenka den Rest des Geldes überwiesen und ihr geschrieben, wie sehr mich ihr Verhalten auf der Feier verletzt hat. Statt einer Entschuldigung kam eine eiskalte Antwort: „Jetzt siehst du wenigstens, dass es geht, wenn man will.“

Quelle: istock.com

Heute sind wir aus dem Gröbsten raus. Wir zahlen unsere Rechnungen pünktlich. Am meisten tut mir aber nicht das Geld leid, die zwanzigtausend habe ich ehrlich zurückgezahlt. Es schmerzt mich, dass ich einen Menschen verloren habe, dem ich vertraut habe. Auch wenn einem jemand Geld schuldet, gibt das niemandem das Recht, ihn vor anderen zu erniedrigen. Ich habe gemerkt, dass Schulden unter Freunden nie nur eine Zahl bleiben. Sie verschieben das Gleichgewicht. Plötzlich seid ihr nicht mehr zwei Freundinnen – die eine ist die, die großzügig geholfen hat, die andere die, die in ihrer Schuld steht. Das geliehene Geld habe ich zurückgegeben. Nur das verlorene Vertrauen bekomme ich nie wieder zurück.

Der Text wurde auf Grundlage einer Lesergeschichte verfasst. Die Namen wurden geändert und die Fotos dienen nur zur Illustration.

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Man sagt, wenn man einen Freund verlieren will, soll man ihm Geld leihen. Diese Geschichte zeigt leider, wie zerstörerisch finanzielle Hilfe für eine langjährige Freundschaft sein kann und wie schnell aus einem Hilfsangebot ein Mittel zur Demütigung wird. Haben Sie schon einmal erlebt, dass ein Kredit Ihre Beziehung zu einem nahestehenden Menschen zerstört hat? Glauben Sie, es ist besser, bei einer Bank mit Zinsen zu leihen, als das Risiko einzugehen, eine Freundschaft zu verlieren? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren unter dem Artikel!

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