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Meine Freundin bedient sich selbstverständlich an meinem teuren Parfüm und Puder. Sie macht aus meiner Handtasche eine Selbstbedienung mit der Ausrede, dass sie keine eigenen Sachen mitschleppen wollte

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Frustrierte Frau ohne Kosmetik.

Ich kenne meine Freundin Denisa noch aus Studienzeiten. Sie war immer gesellig, unterhaltsam und ging gern auf Partys, in Bars und zu Vernissagen. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine elegante und gepflegte Frau, die viel Wert auf ihr Äußeres legt. Doch im Laufe der Jahre habe ich bei ihr eine unglaublich nervige und peinliche Eigenschaft bemerkt, die sich mit der Zeit zu einer regelrechten Ausnutzung auf meine Kosten entwickelt hat. Denisa möchte immer perfekt aussehen, weigert sich aber, für hochwertige Kosmetik und Pflegeprodukte eigenes Geld auszugeben, solange sie jemanden in der Nähe hat, von dem sie bequem profitieren kann.

Ich selbst lege großen Wert auf hochwertige Kosmetik. Da ich sehr empfindliche Haut habe, kaufe ich ausschließlich mineralisches Puder aus der Apotheke, hochwertige hypoallergene Mascara und meine große Schwäche sind originale französische Parfüms aus Nischen-Parfümerien, die nicht gerade billig sind. Ein Flakon meines Lieblingsdufts kostet mich über 120 Euro und ich trage ihn in meiner kleinen Handtasche, um mich an langen Abenden zwischendurch auffrischen zu können.

Das Problem begann, als Denisa und ich öfter gemeinsam abends ausgingen. Immer wenn wir in einem Restaurant oder Musikclub ankamen, stand Denisa nach der ersten Stunde auf und sagte mit einem verschwörerischen Lächeln: „Komm, lass uns auf die Damentoilette gehen und uns ein bisschen frisch machen.“ Kaum waren wir im Bad und ich hatte meine Lederhandtasche auf die Marmorplatte am Waschbecken gelegt, schlich sich Denisa ohne zu zögern daran. Anstatt aus ihrem eigenen Täschchen einen Lipgloss zu holen, öffnete sie meine Kosmetiktasche wie in einem Selbstbedienungsladen.

Ganz selbstverständlich griff sie zu meinem teuren Mineralpuder, trug eine dicke Schicht auf ihr Gesicht auf, tuschte ihre Wimpern mit meiner Premium-Mascara und griff zum Schluss zu meinem französischen Parfüm. Sie sprühte sich mindestens fünf kräftige Sprühstöße auf Hals, Handgelenke und sogar in die Haare, sodass die Hälfte des teuren Dufts in wenigen Sekunden verschwunden war. Als ich sie überrascht ansah, lachte sie nur in den Spiegel und warf ihren üblichen Spruch ein: „Ach, ich wollte heute keine große Tasche mitschleppen, damit ich beim Tanzen freie Hände habe – ich wusste, dass du mich schon rettest!“

Teures Parfüm auf einem Marmorwaschbecken.

Anfangs habe ich das als gelegentlichen Freundschaftsdienst gesehen. Doch diese Situation wiederholte sich mit eiserner Regelmäßigkeit bei jedem Treffen. Denisa ging absichtlich nur mit Handy und Bankkarte in der Hosentasche aus dem Haus und betrachtete meine Handtasche als ihr persönliches, kostenloses Kosmetikstudio. Mein Puder verschwand vor meinen Augen, die sauberen Pinsel waren von ihrem Make-up verschmiert und der Füllstand meines Parfüms sank rasant. Als ich ausrechnete, wie viel Geld bei ihrem Schmarotzertum draufging, war mir klar, dass ich dem ein Ende setzen musste.

Der Wendepunkt kam letzten Freitag bei einer Feier gemeinsamer Freunde in einer schicken Cocktailbar. Vor dem Ausgehen ließ ich meine teuren Kosmetikprodukte zu Hause im Bad und packte nur Taschentücher und einen einfachen Lippenbalsam in meine Handtasche. Gegen zehn Uhr abends kam Denisa mit dem erwarteten Vorschlag: „Komm mit aufs Klo, ich muss mich abpudern und einsprühen, ich glänze schon total.“

Frustrierte Frau ohne Kosmetik.

Ich ging mit ihr. Auf der Toilette griff Denisa sofort nach meiner Tasche, öffnete den Reißverschluss und wühlte darin herum. Als sie nur ein leeres Täschchen und einen trockenen Lippenbalsam fand, blieb sie mit offenem Mund stehen und sah mich entgeistert an. „Wo ist dein Puder und das Parfüm? Womit soll ich mich denn jetzt auffrischen?“, fuhr sie mich mit völlig unverständlicher Empörung an.

Ich blieb ruhig, sah ihr direkt in die Augen und sagte ganz sachlich: „Meine Kosmetik ist zu Hause geblieben, Denisa. Mir ist nämlich aufgefallen, dass du mich seit einem halben Jahr als kostenlose Drogerie benutzt. Mein Parfüm kostet über 120 Euro und Pinsel fürs Gesicht sind persönliche Hygieneartikel, die man nicht verleiht. Wenn du dich auffrischen willst, bring bitte deine eigenen Sachen mit.“

Konfrontation zwischen Freundinnen auf der Toilette.

Denisa lief vor Wut rot an, knallte die Kabinentür zu und sprach den Rest des Abends kein Wort mehr mit mir. Am Tisch zog sie ein beleidigtes Gesicht und erzählte den anderen Freundinnen, wie kleinlich ich sei und was für ein Drama ich wegen ein bisschen Puder mache. Das war mir aber völlig egal. Ihre beleidigte Reaktion hat mir nur bestätigt, dass es nie um eine freundschaftliche Bitte ging, sondern um rücksichtsloses Ausnutzen meiner Gutmütigkeit. Heute gehe ich mit dem guten Gefühl aus dem Haus, dass meine Sachen nur mir gehören – und Denisa bringt jetzt endlich ihre eigene Handtasche mit.

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