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Ein ehemaliger Mitschüler meldet sich nach zehn Jahren – aus einem freundschaftlichen Treffen wird eine Versicherungsmanipulation

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Spannung während des Gesprächs.

Mit Tomáš saß ich vier Jahre lang in der Schule auf derselben Bank. Nach dem Abitur trennten sich unsere Wege ganz natürlich – ich begann in einem technischen Beruf zu arbeiten, er ging an die Universität, und so verloren wir uns allmählich aus den Augen. Ab und zu gab es ein Like auf sozialen Netzwerken, aber persönlich hatten wir uns über zehn Jahre nicht gesehen. Deshalb freute ich mich ehrlich, als letzte Woche plötzlich eine Nachricht von Tomáš auf meinem Handy aufploppte, in der er fragte, wie es mir geht und ob wir uns nach all den Jahren nicht mal auf einen Kaffee im Zentrum treffen und über alte Zeiten plaudern wollen. Ich dachte, es wäre schön, über das Leben, die Familien und unsere Schulgeschichten zu sprechen.

Am Freitagnachmittag kam ich pünktlich im Café an. Tomáš saß bereits an einem Tisch in der Ecke. Er trug einen gebügelten Anzug, glänzende Lederschuhe und hatte ein teures Tablet mit einem Lederblock auf dem Tisch liegen. Wir begrüßten uns mit einem festen Händedruck und bestellten einen Espresso. Die ersten zehn Minuten verliefen völlig normal und freundschaftlich. Er fragte mich nach meiner Frau, nach der Arbeit und wie wir mit der Rückzahlung unseres Wohnungskredits klarkommen. Ich antwortete offen und ohne Argwohn, weil ich dachte, es handle sich um ehrliches Interesse eines alten Freundes nach langer Zeit.

Doch kaum hatte der Kellner die leeren Tassen abgeräumt, veränderte sich Tomáš‘ Gesichtsausdruck schlagartig – aus dem freundlichen Mitschüler wurde in einer Sekunde ein kühler Geschäftsmann. Er öffnete die Ledermappe, drehte das Tablet zu mir und legte einen einstudierten, von Phrasen durchsetzten Ton an den Tag: „Weißt du, warum ich dich heute wirklich eingeladen habe? Ich sehe, wie du dich abrackerst, und erkenne, dass dein Geld überhaupt nicht für dich arbeitet. Wenn dir morgen etwas passiert, steht deine Familie auf der Straße. Ich arbeite jetzt für eine Premium-Finanzgesellschaft und habe für dich einen umfassenden Lebens-Audit vorbereitet.“

Tomáš' Angebot beim Kaffee.

Ich starrte ihn ungläubig an. Aus der Tasche zog er laminierte Diagramme zum Zinseszinseffekt und überschüttete mich pausenlos mit Zahlen zu Investmentfonds, teuren Lebensversicherungen und Altersvorsorgeprodukten. Alle Informationen über meine Familie und unseren Kredit, die er mir eben noch im freundschaftlichen Gespräch entlockt hatte, nutzte er sofort als Waffe. Er setzte mich unter Druck, dass ich ein verantwortungsloser Vater sei, wenn ich heute keinen neuen Lebensversicherungsvertrag über dreitausend Kronen im Monat unterschreibe, und schob mir eine Vollmacht zur Verwaltung meiner Verträge zum Unterschreiben hin.

Als ich ihn stoppte und sagte, dass ich weder Versicherungen noch Investitionen will und dachte, wir treffen uns einfach nur auf einen Kaffee unter Freunden, ließ Tomáš nicht locker. Er legte einen überheblichen, manipulativen Gesichtsausdruck auf und begann, sich über mich lustig zu machen, dass ich eine „Armen-Mentalität“ hätte, keine Ahnung von modernen Finanzen hätte und die Banken mich ausnehmen würden. Er versuchte, auf meine Gefühle einzuwirken, indem er betonte, dass er für mich als alten Freund eine Ausnahme in seinem vollen Terminkalender gemacht habe.

Spannung während des Gesprächs.

In diesem Moment stieg in mir eine große Wut und Enttäuschung auf. Mir wurde klar, dass ihm die zehn Jahre Freundschaft überhaupt nichts bedeuteten – ich war für ihn nur ein weiterer Kontakt auf seiner Liste, aus dem er eine Provision für die Leasingrate seines Dienstwagens herauspressen wollte. Ich legte das Geld für meinen Kaffee auf den Tisch, stand auf und sagte ihm direkt ins Gesicht: „Tomáš, du tust mir leid. Altes Freundschaftsverhältnis nur auszunutzen, um mir Geld aus der Tasche zu ziehen, ist erbärmlich. Ruf mich nie wieder an.“

Ich drehte mich um und ging. Tomáš blieb mit offener Mappe und beleidigtem Gesichtsausdruck sitzen. Es war eine bittere Erfahrung, wie die Jagd nach Provisionen grundlegende menschliche Anständigkeit zerstören und alte Freunde in rücksichtslose Verkäufer von heißer Luft verwandeln kann.

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