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Meine Schwiegermutter hat beim Aufpassen unsere gesamte Küchenzeile umorganisiert. Die Hälfte der Sachen finden wir jetzt nicht mehr

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Verzweiflung beim Suchen nach Küchenutensilien.

Als meine Frau und ich nach zwei Jahren endlich ein verlängertes Wochenende zu zweit planten, war unsere größte Sorge, wer sich um unseren Hund kümmern und die Blumen auf der Terrasse gießen würde. Meine Schwiegermutter bot sich von selbst an. Sie wohnt ganz in der Nähe, mag unseren Hund und meinte, sie könne sich bei uns in Ruhe vom Trubel ihres eigenen Wohnblocks erholen. Wir waren ihr dankbar, füllten den Kühlschrank mit leckerem Essen, stellten Kaffee auf den Tisch, schrieben eine Anleitung fürs Gassigehen und fuhren am Freitagmorgen mit dem guten Gefühl los, dass alles bestens geregelt ist.

Verzweiflung beim Suchen nach Küchenutensilien.

Wir kamen am Sonntagabend zurück. Die Wohnung war gelüftet, der Hund schlief zufrieden in seinem Körbchen und meine Schwiegermutter saß mit einer Tasse Tee im Wohnzimmer, mit dem Gesichtsausdruck einer Heldin, die gerade die Welt gerettet hat. Kaum hatten wir die Taschen abgestellt, verkündete sie stolz: „Kinder, ich hatte am Samstagnachmittag ein bisschen Zeit und habe euch endlich Ordnung in die Küche gebracht. Ihr hattet da ein heilloses Durcheinander, das ergab überhaupt keinen Sinn, also habe ich alles so umgeräumt, wie es richtig sein sollte.“

In diesem Moment wurde mir ganz anders. Die Küche ist der Raum, in dem ich viel Zeit verbringe. Ich habe mein eigenes System – schwere Gusseisenpfannen und Töpfe direkt neben dem Herd, Messer und Kochlöffel griffbereit in der oberen Schublade, die Gewürze übersichtlich nach Häufigkeit sortiert und Kaffee sowie Tee im Eckschrank direkt über dem Wasserkocher. Als ich den ersten Schrank öffnete, traute ich meinen Augen nicht.

Kein Stein blieb auf dem anderen. Meine Schwiegermutter hatte ihr eigenes System eingeführt, das bei ihr im Plattenbau der 80er Jahre funktionierte. Die großen Töpfe hatte sie ins oberste Regal gestellt, wo man nur auf Zehenspitzen drankommt. Die täglich genutzten Gewürze steckte sie in Plastikdosen ganz nach hinten in die unterste Ecke, während sie auf dem Ehrenplatz neben der Arbeitsfläche alte Porzellantassen von ihrer Mutter aufreihte, die wir aus Nostalgie in einer Kiste aufbewahrt hatten. Das Besteck sortierte sie nach Griff-Farben, die Schneidebretter versteckte sie zwischen Backblechen im Ofen und die Tees mischte sie mit den Putzmitteln unter der Spüle, weil „da noch Platz war“.

Küche nach der Reorganisation durch die Schwiegermutter.

Als wir vorsichtig fragten, warum sie das gemacht habe, wo wir sie doch nur gebeten hatten, mit dem Hund Gassi zu gehen, reagierte sie sofort beleidigt. Sie begann zu erklären, dass wir ihr für ihre Mühe und den ganzen Tag Arbeit danken sollten, dass junge Leute heutzutage kein System halten könnten und sie uns nur das Leben erleichtern wollte. Sie zog ihren Mantel an und verließ mit beleidigtem Türknallen die Wohnung.

Jetzt ist ein Monat vergangen und wir irren immer noch in der Küche umher. Kochen ist zu einer Art Schnitzeljagd geworden, bei der man verzweifelt nach dem Pfannenwender sucht und ihn nach zehn Minuten zwischen den Ausstechformen für Weihnachtsplätzchen findet. Die Hälfte der kleinen Küchenhelfer ist bis heute verschwunden. Für uns war das eine klare Lektion: Selbst die gut gemeinte Hilfe von Verwandten, um die niemand gebeten hat, kann im Haushalt mehr Schaden als Nutzen anrichten.

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