
Wir haben unseren Garten in einer ruhigen Kolonie am Stadtrand vor allem deshalb, um nach einer Woche im Büro endlich frische Luft zu schnappen. Es ist ein Ort, an dem man sich am Freitag in den Sessel setzen, ein Buch aufschlagen, Fleisch auf den Grill werfen und in Ruhe auf der Terrasse zu Abend essen möchte. Die meisten Leute in der Kolonie sehen das genauso. Tagsüber wird das Gras gemäht, die Beete werden gehackt, der Zaun repariert, und gegen Abend kehrt Ruhe ein, damit alle den warmen Sommerabend genießen können.
Bis auf Herrn Josef vom Nachbargrundstück. Josef ist Rentner und verbringt sieben Tage die Woche von morgens bis abends im Garten. Den ganzen Tag hätte er Zeit, alles Mögliche zu erledigen. Trotzdem hat er ein unglaublich rücksichtsloses Ritual, das er mit eiserner Regelmäßigkeit durchzieht. Jedes Mal, wenn die Sonne langsam untergeht, der Wind nachlässt und die Familien in den umliegenden Gärten die Teller auf den Tisch stellen, greift Josef zu seinen Rechen.
Anstatt das gemähte Gras und das gejätete Unkraut auf den Kompost zu werfen oder in die braune Tonne am Eingang zu bringen, türmt er den frischen, feuchten Bioabfall zu einem riesigen Haufen in der Ecke seines Grundstücks – natürlich direkt am Zaun, kaum zehn Meter von unserer Pergola entfernt. Dann zündet er ein Streichholz an, wirft ein paar trockene Zweige dazu und lässt den feuchten Haufen langsam vor sich hin qualmen.
Bei Windstille passiert sofort das, was jeder Gärtner kennt: Frisches Gras brennt nicht mit Flamme, sondern erzeugt dichten, stechenden, schweren weißen Rauch. Innerhalb von fünf Minuten liegt über dem gesamten unteren Teil der Kolonie ein undurchdringlicher Nebel. Die Luft brennt in den Augen, die Nase läuft und auf der Terrasse kann man kaum atmen. Statt dem Duft von Gegrilltem schluckt man Rauch von verrottendem Unkraut. Sofort müssen wir die Teller einsammeln, ins Gartenhaus flüchten, alle Fenster schließen und bei sommerlicher Hitze hinter verschlossenen Türen sitzen, weil man draußen sonst ersticken würde. Die frisch gewaschene Wäsche, die auf der Leine trocknete, kann man gleich wieder in die Waschmaschine werfen.
Als ich ihn vorletzte Woche am Zaun aufsuchte und versuchte, das Problem auf normale menschliche Weise zu klären, stieß ich auf eine Mauer. Ganz ruhig sagte ich zu ihm: „Herr Josef, Sie haben den ganzen Tag Zeit, das Gras ist nass und der Rauch zieht direkt zu den Leuten. Können Sie das nicht trocknen lassen, auf den Kompost werfen oder es wenigstens mittags verbrennen, wenn hier niemand beim Essen sitzt?“
Josef stützte sich auf seine Mistgabel, blies den Rauch seiner billigen Zigarette aus und meinte völlig gleichgültig: „Junger Mann, ich gärtnere hier seit vierzig Jahren und Feuer gehört zum Garten einfach dazu. Tagsüber kann ich nicht verbrennen, da würden mir die Tomaten austrocknen, und eure paar Würstchen könnt ihr auch drinnen essen. Ich lasse mich von niemandem einschränken.“
Diese sture Uneinsichtigkeit und das Gefühl, auf seinem eigenen Grundstück jederzeit das halbe Tal einnebeln zu dürfen, haben mir endgültig die Illusion von nachbarschaftlicher Einigung genommen. Als es auf freundliche Weise nicht ging, habe ich mich gemeinsam mit drei weiteren Nachbarn an den Kolonievorstand und das Gemeindeamt gewandt. Josef wurde unmissverständlich daran erinnert, dass das Verbrennen von Bioabfällen außer trockenem Holz im Gemeindegebiet laut Verordnung verboten ist und mit hohen Geldstrafen geahndet werden kann. Der Haufen verschwand zwar nicht sofort aus der Ecke, aber Josef begriff, dass seine abendlichen Rauchzeichen niemand mehr dulden würde. Der Garten ist wieder ein Ort, an dem man abends frei durchatmen kann.






















