
Die Renovierung eines Badezimmers in einer bewohnten Wohnung ist für jede Familie eine große Nervenprobe. Wenn man sich für neue Fliesen und eine Duschkabine entscheidet, rechnet man damit, dass man sich für eine Woche oder zehn Tage einschränken muss, sich im Waschbecken wäscht und den allgegenwärtigen Baustaub erträgt. Genau aus diesem Grund haben wir für die Renovierung auf Empfehlung eines Bekannten den Fliesenleger Herrn Marek engagiert. Er machte einen soliden Eindruck, stellte einen einfachen Kostenvoranschlag über 30.000 Kronen aus, versprach, das Bad in acht Tagen komplett fertigzustellen und begann pünktlich wie vereinbart am Montagmorgen.
Die ersten drei Tage lief alles wie am Schnürchen. Marek riss den alten Kunststoffkern und die Fliesen heraus, glich die Wände mit Kleber aus, brachte die Abdichtung auf und bereitete den Boden für das Verlegen der großen grauen Fliesen vor. Am Mittwochnachmittag bat er um eine Anzahlung von 15.000 Kronen für die bisherige Arbeit, da ihm das Material ausgegangen sei und er seinen Helfer bezahlen müsse. Da die Arbeiten sichtbar vorankamen und das Bad vielversprechend aussah, zahlte ich ihm das Geld ohne Verdacht bar gegen Quittung aus. Marek bedankte sich, packte seine Brotzeit ein und sagte, dass er am Donnerstagmorgen um acht Uhr mit dem eigentlichen Fliesenlegen beginnen würde.
Am Donnerstag um acht Uhr erschien niemand. Um neun Uhr war es in der Wohnung immer noch ruhig. Ich versuchte, ihn auf dem Handy anzurufen, aber das Telefon war nicht erreichbar. Gegen Mittag kam eine knappe SMS, dass sein Transporter in der Werkstatt kaputt sei und er am Freitagmorgen kommen würde. Am Freitag wiederholte sich die Situation – das Telefon war ausgeschaltet und im Bad herrschte Stille. Unser Haushalt war inzwischen völlig aus dem Gleichgewicht: Im Flur stapelten sich Säcke mit Fugenmasse und Kartons mit Fliesen, die Badewanne lag auf der Seite im Wohnzimmer und das Wasser war in der ganzen Wohnung provisorisch abgestellt.
Aus dem Wochenende wurde eine Woche und aus der Woche zwei. Marek ging grundsätzlich nicht ans Telefon. Manchmal, nach zehn vergeblichen Versuchen meinerseits, kam nachts eine nichtssagende Nachricht voller Ausreden: einmal hatte er eine Zahnentzündung, ein anderes Mal musste er zur Beerdigung einer entfernten Tante und ein drittes Mal behauptete er, er warte auf einen speziellen Fliesenschneider aus Deutschland. Wir waren verzweifelt. Meine Frau musste mit unserem kleinen Sohn abends zum Baden zu meinen Eltern ans andere Ende der Stadt fahren und unser ganzes Leben war durch die Baustelle mitten in der Wohnung lahmgelegt.
Die Wahrheit erfuhr ich zufällig über den gemeinsamen Bekannten, der mir Marek empfohlen hatte. Er plauderte aus dem Nähkästchen und erwähnte nebenbei, dass Marek jetzt täglich zwölf Stunden auf einer großen Neubau-Baustelle eines Einfamilienhauses außerhalb der Stadt arbeitet, wo er das Dreifache an Lohn bekommen hat – unter der Bedingung, dass er sofort fertig wird. Da wurde mir alles klar: Er hatte unser Bad nur angefangen, um sich den Auftrag zu sichern, kassierte eine fette Anzahlung und ließ uns dann ohne mit der Wimper zu zucken im Stich, weil am anderen Ende der Stadt mehr Geld zu holen war.
Diesen Betrug und die Rücksichtslosigkeit gegenüber einer Familie mit kleinem Kind wollte ich nicht hinnehmen. Ich nahm das Auto und fuhr direkt zu der Adresse des Neubaus, die mir der Bekannte genannt hatte. Ich lag richtig – sein Transporter stand vor dem Haus. Ich betrat die Baustelle und fand Marek, wie er seelenruhig Fliesen in einer fremden Halle verlegte. Als er mich sah, erstarrte er und wurde kreidebleich.
Ohne zu schreien, aber mit eiskalter Stimme teilte ich ihm vor seinem neuen Auftraggeber mit, dass seine Spielchen vorbei seien. Ich stellte ihm ein Ultimatum: Entweder er steht morgen früh bei uns in der Wohnung und beendet den Auftrag in voller Qualität wie ursprünglich vereinbart, oder ich erstatte noch heute Anzeige wegen Betrugs und unrechtmäßiger Bereicherung, melde seine Schwarzarbeit beim Finanzamt und erkläre dem Investor, was für einen unzuverlässigen Handwerker er sich da geholt hat.
Marek sah, dass er in die Enge getrieben war und ihm ein riesiger Skandal drohte. Am nächsten Morgen um sieben Uhr stand er mit seinem Werkzeug vor unserer Tür. Nach vier Tagen war das Bad fertig, die Fugen passten und alle Oberflächen waren gereinigt. Die Restzahlung habe ich ihm natürlich um die vertraglich vereinbarte Vertragsstrafe für die Verzögerung gekürzt, wogegen er kein Wort einzuwenden hatte. Das war für mich eine große Lektion: Unzuverlässigen Handwerkern darf man niemals eine Anzahlung im Voraus geben und bei den kleinsten Ausreden muss man sie persönlich und konsequent konfrontieren, denn auf telefonische Bitten und Höflichkeit reagieren diese Schlaumeier überhaupt nicht.























