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Der Nachbar aus dem Treppenhaus begann, Müllsäcke vor seiner Tür im Flur abzustellen. Angeblich rochen sie ihm zu Hause

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Müllsack im Flur.

Gemeinschaftsbereiche in einem Mehrfamilienhaus sind immer eine Bewährungsprobe für Rücksichtnahme. Der Flur vor den Wohnungen ist kein Lagerraum, keine Garderobe und auch kein Zwischenlager für Dinge, die man gerade nicht im Wohnzimmer haben möchte. In unserem vierstöckigen Haus herrschte jahrelang relative Ruhe. Die Leute kehrten vor ihren Fußmatten, niemand ließ Schuhe auf der Treppe herumliegen und Kinderwagen standen ordentlich im Kinderwagenraum. Die Situation änderte sich schlagartig zu Beginn des Sommers, als in die Wohnung gegenüber im dritten Stock ein neuer, junger Mieter einzog.

Innerhalb weniger Wochen gewöhnte er sich ein unfassbar rücksichtsloses Ritual an. Immer wenn er zu Hause gekocht oder einen großen schwarzen Müllsack gefüllt hatte, nahm er ihn nicht und trug ihn die drei Stockwerke hinunter zu den Mülltonnen im Hof. Stattdessen öffnete er die Wohnungstür, stellte den zugebundenen – manchmal sogar nur halb geschlossenen – Plastiksack direkt auf den sauberen Linoleumboden im Gemeinschaftsflur und schlug die Tür hinter sich zu. Die Müllsäcke blieben dort stundenlang stehen, im schlimmsten Fall sogar über Nacht bis zum nächsten Nachmittag, wenn er endlich zur Arbeit ging.

Gepflegter und sauberer Bereich im Mehrfamilienhaus.

An heißen Sommertagen verwandelte sich der Flur innerhalb weniger Stunden in die Hölle. Aus dem Sack, in dem Fleischreste, Fischabfälle, Schalen und benutzte Milchverpackungen lagen, sickerte fettige Flüssigkeit direkt auf den Boden. Die abgestandene Luft auf dem Stockwerk wurde schwer und begann ekelhaft nach faulendem Essen zu stinken. Jedes Mal, wenn wir unsere Wohnungstür öffneten, schlug uns die verdorbene Luft entgegen und drang sofort in unseren sauberen Eingangsbereich.

Wir ertrugen das einige Tage lang in der Hoffnung, es handle sich um einen einmaligen Ausrutscher. Doch als am dritten Tag in Folge wieder Müllsäcke im Flur standen, klopfte ich bei ihm an. Er öffnete die Tür in Jogginghose und mit dem Handy in der Hand. Sehr höflich und sachlich sagte ich zu ihm: „Hallo, entschuldige, aber du lässt Müllsäcke mit Essensresten im Flur stehen. Es stinkt hier auf dem ganzen Stockwerk, das Fett läuft aus und der Gestank zieht bis in unsere Wohnung. Der Müll gehört direkt in die Tonne draußen, nicht vor die Tür auf den Linoleumboden.“

Müllsack im Flur.

Der junge Mann sah mich völlig verständnislos an und sagte ohne den geringsten Anflug von Scham: „Du, bei mir in der heißen Einzimmerwohnung hat das total gestunken, deshalb habe ich den Sack auf den Flur gestellt, bis ich morgen früh rausgehe. Das kann euch doch für ein paar Stunden nicht stören, der Flur ist doch groß genug.“

Diese absurde Logik, den stinkenden Müll einfach den Nachbarn vor die Nase zu stellen, nur damit er selbst es zu Hause sauber hat, brachte mich sofort auf die Palme. Ich sagte ihm unmissverständlich, dass der Flur ein gemeinsamer Rettungsweg sei und kein privater Müllplatz, und dass ich die Angelegenheit mit der Hausgemeinschaft und dem Wohnungseigentümer klären werde, falls der Sack nicht sofort verschwindet und die Fettlache nicht beseitigt wird. Er verdrehte nur die Augen, nahm den Sack und lief mit beleidigtem Gesichtsausdruck nach unten.

Am nächsten Morgen stand jedoch schon wieder ein Müllsack vor seiner Tür, diesmal sogar direkt neben meiner Fußmatte. Da war mir klar, dass mit Freundlichkeit nichts zu erreichen war. Ich holte mein Handy, fotografierte die Müllsäcke im Flur, die Fettflecken auf dem Boden und seine Wohnungsnummer. Die Fotos schickte ich sofort mit einer offiziellen Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Hausordnung und Brandschutzbestimmungen an den Vorsitzenden der Eigentümergemeinschaft und informierte auch den Wohnungseigentümer darüber, dass sein Mieter ein Hygieneproblem verursacht.

Der Vorsitzende reagierte kompromisslos. Noch am selben Nachmittag hing am Eingang ein Warnhinweis mit Foto der Müllsäcke, und der Wohnungseigentümer erhielt eine Aufforderung zur sofortigen Abhilfe unter Androhung einer Geldstrafe für die Reinigung der Gemeinschaftsflächen durch eine Fachfirma. Der Eigentümer machte dem jungen Mann so deutlich Druck, dass seitdem nicht einmal mehr ein Bonbonpapier im Flur lag. Das war ein klarer Beweis dafür, dass manche Menschen keinerlei Rücksicht kennen und es reine Zeitverschwendung ist, darauf zu hoffen, dass sie es irgendwann von selbst verstehen.

Sauberkeit und Ordnung im Flur nach dem Eingreifen des Hausvorstands.

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