
Der Autokauf für die Familie ist in jedem Haushalt eine bedeutende Investition, die man nicht von heute auf morgen trifft. Monatelang habe ich Rezensionen, technische Foren und Zuverlässigkeitstabellen durchforstet, bevor ich mich für einen fünf Jahre alten Benzin-Kombi mit nachweislicher Servicehistorie vom Erstbesitzer entschieden habe. Das Auto war in perfektem Zustand, sauber, technisch absolut einwandfrei und entsprach genau dem, was wir als Familie für den täglichen Arbeitsweg und lange Ausflüge brauchten. Ich freute mich ehrlich darüber und konnte es kaum erwarten, damit zur Sonntagsfeier zum sechzigsten Geburtstag meines Schwiegervaters zu fahren.
Wir kamen als Erste zur Gartenfeier und parkten das Auto auf der Einfahrt vor dem Haus. Eine halbe Stunde später rauschte mein Schwager mit seiner Familie an – begleitet von laut quietschenden Bremsen und einer blauen Abgaswolke. Er stieg aus seinem zwanzig Jahre alten Diesel-Octavia, dessen Schweller von Rost zerfressen waren, die Kotflügel mit silbernem Klebeband geflickt und der Motor in einem so erbärmlichen Zustand war, dass jede technische Kontrolle eher von der Nachsicht eines Bekannten in der Werkstatt als von wirklicher Fahrtüchtigkeit abhing. Kaum hatte er die verrostete Tür zugeschlagen und die Eltern begrüßt, fiel sein Blick auf meinen neuen Wagen.
Statt einer normalen Anerkennung oder einem einfachen „Viel Freude damit“ zeigte sich sofort ein spöttisches, überhebliches Grinsen in seinem Gesicht. Er ging zum Auto, strich mit der Hand über den Lack und sagte mit einem lauten Seufzer vor der ganzen Familie: „Na super, hast du die alte Kiste endlich los und dir gleich eine neue Sparbüchse gekauft. Hast du wirklich Geld für dieses Modell ausgegeben? Das ist doch ein Direkteinspritzer, der verkokt dir in einem Jahr, die Steuerkette reißt ständig und die Kupplung hält keine fünfzigtausend. Diese Motoren sind der größte Fehler des Herstellers, das weiß doch jeder, der auch nur ein bisschen Ahnung von Autos hat.“
Am Tisch unter der Pergola herrschte plötzlich peinliches Schweigen. Die anderen Gäste blickten in ihre Teller, während mein Schwager seine ungefragte Vorlesung fortsetzte. Vor Schwiegermutter und Schwiegervater zählte er vermeintliche Konstruktionsfehler meines Motors auf, rechnete hypothetische Reparaturkosten in Höhe von Zehntausenden im Vertragservice vor und schüttelte theatralisch den Kopf darüber, wie naiv ich gewesen sei, nicht lieber einen bewährten Diesel ohne Partikelfilter wie er zu kaufen.
Ich blieb völlig ruhig. Ich ließ mich weder zu einem Streit noch zu lauten Worten hinreißen. Ich wartete, bis sein Monolog voller angelesener Internetweisheiten zu Ende war, stellte mein Glas ab und sagte mit sachlicher Stimme: „Weißt du, Luděk, bevor ich dieses Auto gekauft habe, habe ich eine komplette mechanische Prüfung und Diagnose machen lassen. Im Gegensatz zu deinem Auto, aus dem unten Öl direkt auf Schwiegervaters Pflaster tropft und aus dem Auspuff Ruß fliegt, hat dieses Auto einen frischen TÜV ohne einen einzigen Mangel. Wenn du es schaffst, legal zur HU zu kommen, ohne einen Bekannten in der Werkstatt zu brauchen, und dir während der Fahrt nicht der Auspuff abfällt, lasse ich mich gern von dir beraten, was ich kaufen soll.“
In diesem Moment lief mein Schwager rot an und seine Souveränität zerfiel in Stücke. Mein Schwiegervater lächelte nur und lenkte das Thema schnell auf das Grillen im Garten. Den Rest des Nachmittags saß mein Schwager still in der Ecke des Tisches, ohne ein weiteres Wort über Autos zu verlieren. Für mich war das ein typisches Beispiel für den berühmten deutschen Neid: Menschen, die es selbst nicht schaffen, ihre eigenen Sachen in Schuss zu halten, haben paradoxerweise das größte Bedürfnis, den Erfolg und die Freude anderer kleinzureden – nur um sich selbst ihr eigenes Elend schönzureden.























