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In der Werkstatt wurde beim Reifenwechsel das Gewinde an meinem Radbolzen beschädigt – die Schuld wurde auf mein altes Auto geschoben

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Lukas Neudert
Er teilt praktische Tipps und Inspirationen für den Alltag — vom Kochen über den Garten bis zum Haushalt.
Belebte Reifenwerkstatt während des Frühjahrsreifenwechsels.

Der alljährliche Reifenwechsel zu Beginn der Frühlingssaison ist für die meisten Autofahrer eine halbstündige Routineangelegenheit. Ich habe mich immer gewissenhaft um mein Auto gekümmert. Es ist zwar kein luxuriöser Neuwagen aus dem Autohaus, aber ein zuverlässiger, zehn Jahre alter Benziner-Hatchback, der regelmäßig gewartet wird, saubere Radnaben hat und dessen mechanische Teile ich stets in einwandfreiem Zustand halte. Mein Stammmechaniker war jedoch für zwei Wochen ausgebucht, also fuhr ich aus Zeitnot zu einer großen, modern wirkenden Reifenwerkstatt am Stadtrand.

In der Werkstatt herrschte das übliche saisonale Chaos. Auf drei Hebebühnen standen Autos, Mechaniker liefen geschäftig hin und her und überall war das ständige Dröhnen der Schlagschrauber zu hören. Der Annahmetechniker notierte sich das Kennzeichen, warf die Schlüssel auf den Tresen und schickte mich in den verglasten Warteraum mit Kaffeeautomat. Ich beobachtete die Arbeit durch das große Fenster. Zu meinem Auto kam ein junger Mann in staubigen Monteurklamotten. Schon die Art, wie er die Räder abmontierte, gefiel mir nicht – keine Sorgfalt, nur rohe Gewalt mit dem Schlagschrauber.

Belebte Reifenwerkstatt während des Frühjahrsreifenwechsels.

Das eigentliche Problem trat jedoch beim Montieren der Sommerreifen auf. Anstatt die Schrauben zunächst von Hand ein paar Umdrehungen anzusetzen und zu prüfen, ob sie gerade im Gewinde sitzen, nahm er den Bolzen, steckte ihn direkt in die schwere Druckluftpistole und schoss ihn mit voller Kraft und ohne nachzudenken ins Rad. Durch die Scheibe sah ich, wie der Schlagschrauber in seinen Händen plötzlich blockierte, ruckte und der Mechaniker mit seinem ganzen Körpergewicht dagegen drückte. Er drückte erneut den Abzug und drehte die Schraube mit Gewalt durch. Einen Moment starrte er ratlos auf das Rad, versuchte, die Schraube herauszudrehen, aber sie drehte sich im Gewinde nur noch leer durch.

Fünf Minuten später kam er mit ölverschmierten Händen in den Warteraum und setzte einen überheblichen, einstudierten Gesichtsausdruck auf. Ohne zu zögern erklärte er mir: „Sie haben am rechten Vorderrad ein komplett zerstörtes Gewinde in der Radnabe. Die Schraube hält überhaupt nicht mehr, das ist gefährlich und wir können Ihnen das Auto so nicht aushändigen. Sie müssen eine neue Radnabe und eine zusätzliche Arbeitsstunde des Mechanikers bezahlen.“

Mechaniker benutzt einen Schlagschrauber am Autoreifen.

Ich starrte ihn ungläubig an. Ich fragte ihn, wie es sein könne, dass das Auto mit vier fest angezogenen Schrauben in die Werkstatt kam und das Gewinde genau in dem Moment zerstört wurde, als er die Schraube mit dem Schlagschrauber mit Gewalt hineindrehte. Der Mechaniker grinste nur arrogant, zuckte mit den Schultern und entgegnete: „Sehen Sie, Sie haben einen zehn Jahre alten Gebrauchten gebracht. Das Material war altersbedingt ermüdet, die Schraube war verrostet und hat es einfach nicht mehr ausgehalten. Dafür übernehmen wir keine Haftung, das ist normale Materialermüdung.“

Diese dreiste Lüge und der Versuch, die eigene Unfähigkeit auf das Alter des Autos zu schieben, brachten mich sofort auf die Palme. Ich stand auf, ging direkt in die Werkstatt zu meinem Auto und rief den Betriebsleiter. Vor allen Anwesenden zeigte ich die Schraube, an der deutlich frische, silberne Metallspäne von einer schräg angesetzten Montage zu sehen waren. Ich erinnerte den Leiter nachdrücklich an die korrekte Vorgehensweise beim Montieren von Rädern: Die Schrauben müssen immer von Hand eingesetzt und mit einem Drehmomentschlüssel auf das vorgeschriebene Drehmoment angezogen werden – und nicht brutal mit dem Schlagschrauber auf volle Leistung. Ich fügte hinzu, dass ich die gesamte Situation durch die Glaswand des Warteraums beobachtet habe und, falls sie den Schaden nicht sofort anerkennen, ein Schadensprotokoll anfertige, einen Sachverständigen für Maschinenbau hinzuziehe und die Angelegenheit der Verbraucherzentrale melde.

Kunde konfrontiert den Werkstattleiter wegen des Schadens.

Der Betriebsleiter merkte, dass er es nicht mit einem Laien zu tun hatte, dem er Märchen von „Materialermüdung“ erzählen konnte. Er sah sich die beschädigte Schraube an, strafte den jungen Mechaniker mit einem Blick und änderte sofort seinen Ton. Ohne weitere Diskussionen gestand er den Fehler der Werkstatt ein. Noch am selben Tag bestellten sie auf eigene Kosten das Originalersatzteil, stellten mir einen Ersatzwagen zur Verfügung und übergaben mir mein Auto in einwandfreiem Zustand mit einer Entschuldigung und kostenlosem Reifenwechsel. Für mich war das eine harte Lektion: Bei Handwerkern und in Werkstätten sollte man sich nicht abspeisen lassen und konsequent für sein Recht einstehen, denn manche Amateure schieben ihre eigenen Fehler auf alles Mögliche, nur um nicht für den Schaden aufkommen zu müssen.

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